Interview mit Stefan Franzen für die Basler Zeitung, 18. Mai 2017

Das Ziel ist grösstmögliche Freiheit

Das Duo Yumi Ito und Yves Theiler präsentiert eine CD mit Eigenkompositionen.

(c) Laura Pe

Das Basler Musik-Duo Yumi Ito und Yves Theiler stellen am Jazzfestival Basel ihre neue CD vor.

Unter den Vokalistinnen der jungen Schweizer Jazzszene ist sie eine der vielversprechendsten. Wobei: Das mit dem «Jazz» sollte man gleich mal mit Vorbehalt aussprechen. Denn für Yumi Ito wird die stilistische Freiheit ganz gross geschrieben: «Schon als Kind habe ich improvisiert, da wusste ich noch gar nicht, dass es Klassik und Jazz und Pop gibt», erzählt die 26-jährige. «Als Studiengang war der Jazz für mich schliesslich der attraktivste, weil er dieses Improvisatorische am meisten fördert.»

In Basel als Tochter einer polnischen Mutter und eines japanischen Vaters aufgewachsen habe sie das Universum Japans eher indirekt geprägt, reflektiert sie: «Vielleicht eher in der Art, wie ich denke, die Zielstrebigkeit, mit der ich meine Projekte verfolge. Aber auch die Japonismen im Impressionismus von Debussy finde ich toll, diese Farben.» Polnische Volksmusik wurde via Chopin eine Wegbegleiterin, und natürlich war die Mutter, selbst klassische Sängerin, ihr erstes grosses Vorbild, zu dem sich aber bald Ella Fitzgerald, Bobby McFerrin und Al Jarreau gesellten.

«Während meiner Teenagerjahre habe ich viel Punkrock gehört, wollte laut sein mit der Stimme, ein Volumen haben wie eine Soulsängerin.» Doch durch die Bossa Nova und Vertreterinnen der leisen Töne wurde Yumi Ito klar: Die Stimme lässt sich auch quasi sprechend nutzen, ohne die ganze Zeit Verzierungen machen zu müssen. Es ist diese Souveränität des Verzichts, die in ihrer Arbeit immer wieder durchscheint, neben der anderen Souveränität: der, über die verschiedensten Genres zu verfügen und daraus eine Freiheit zu schöpfen.

Auf neun Minuten gedehnt

«Intertwined» hiess ihre erste Visitenkarte, ein Debütalbum, voller Standards von Cole Porter bis Pat Metheny. Standards, die sie aber freilich schon auf acht oder neun Minuten dehnte, mit erfindungsreichen Ausflügen ins Latinfach oder Experimentelle bereicherte, inmitten eines gleichberechtigten Quartetts. Aus dieser Band ist ein wichtiges Element geblieben: Pianist Yves Theiler. «Es war für mich sofort klar, dass wir als Duo weitermachen. Denn Yves hat eine sehr eigene Stimme auf dem Klavier, ist zugleich auch Perkussionist in seinem Spiel. Unsere Kompositionen passen gut zueinander, und wenn wir zusammen musizieren, überraschen wir uns immer wieder gegenseitig von Neuem. Mit ihm kann ich aus einer kleinen Idee etwas ganz Grosses entwickeln.»

Ergebnis des Teamworks ist die Duo-CD «Ypsilon», die die beiden Musiker zum Final des Jazzfestivals Offbeat heute Abend in der Dorfkirche Riehen vorstellen. Das aufregende Repertoire aus Eigenkompositionen reicht von einer indiepop-artigen Melodie zu komplett freier Improvisation, von lautmalerischen Experimenten bis zu einem minimalistischen Wiegenlied mit japanischem Titel.

Picasso als Leitfaden

Für Yumi Ito verkörpert sich in diesem Projekt ganz konsequent ihr Wunsch nach grösstmöglicher musikalischer Freiheit, eine Freiheit, die sie am Jazzcampus bei Lehrern wie Fred Frith, Mark Turner oder Lisette Spinnler auslotet. Hier wird sie in wenigen Monaten ihren Masterabschluss machen, und sie ist voll des Lobes über die Basler Institution. «Ich habe vorher im Toni Areal an der Zürcher Hochschule der Künste studiert, dagegen ist es hier heimeliger, ruhiger. Aber alles ist auf internationale Studenten und Dozenten ausgerichtet, es gehen immer mehr Türen Richtung Frankreich und Deutschland auf. Hier kann ich mich auf Komposition und Arranging konzentrieren.»

Was von Yumi Ito zu erwarten sein wird, das hält sie sich offen. Eines ist klar: Die Betitelung «Jazzsängerin» ist zu eng gefasst, sie sieht sich als «Künstlerin» – und zieht einen unerwarteten Vergleich aus der Tasche: «Egal, aus welcher Ecke man kommt, es ist wichtig, dass man eine Tradition lernt, und dann sein Eigenes entwickelt. In diesem Sinne ist Picasso für mich ein grosser Leitfaden.»

 

Konzert: Duo Yumi Ito & Yves Theiler (+ Rusconi / Preisig): Donnerstag, 18. Mai.,
20 Uhr, Dorfkirche Riehen.

 

Gregor Loepfe für Radio Swiss Jazz, August 2016


Milena Krstic für die Berner Kultur Agenda November 2016

Rolf Thomas für Jazzthing Deutschland Juni 2016


Henning Sieverts für den Bayerischen Rundfunk am 19.7.2016

 

""Auf Ihrer Debut CD versammelt Yumi Ito acht bekannte Jazzstandards auf die sie einen überraschenden, frischen Blick wirft."

"Kammermusikalisch und groovend" 

https://www.br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-738890.html

 

Rainer Bratfisch für Jazzpodium Deutschland, Juni 2016

Ronorp Juni 2016


Angela Ballhorn für JAZZ'N'MORE Schweiz Mai 2016

Ernst Weiss für Concerto Österreich, März 2016

Mateusz Kołodziej from Axun Arts Poland, March 2016